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Auf der Zielgeraden: Start in das neue Ausbildungsjahr

 

THEMA DES MONATS

Ausbildung 2024

Take A Chance On Me

Die Großen Ferien rücken näher und damit auch die Stunde der Wahrheit für viele (zukünftige) Schulabgänger: Wie soll es mit dem Abschlusszeugnis in der Hand weitergehen? Als Faustregel gilt, dass diese Entscheidung möglichst bereits ein gutes Jahr getroffen sein sollte, bis es dann soweit ist. Doch auch all je-ne, die kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch kei-ne konkrete Perspektive haben, besitzen noch sehr gute Chan-cen auf eine freie Stelle - sofern sie sich nicht ganz auf einen der wenigen In-Berufe festlegen, die sich bei jungen Menschen großer Nachfrage erfreuen. In fast allen anderen Branchen gibt es zumeist mehr freie Plätze als Bewerber. Den ABBA-Klassiker „Take A Chance On Me“ müssen heute in der Regel also eher die Ausbildungsbetriebe anstimmen und weniger die Schulab-gänger, die auf der Suche nach einem geeigneten Einstieg ins Berufsleben sind.

 

 

 

 

  Berufsbildungsbericht ‘24

Ausbildungsmarkt erholt sich

Mehr Verträge, mehr Angebote, steigende Nachfrage: Das sind die positiven Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt. Gleich-zeitig hat aber auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplät-ze einen neuen Höchststand erreicht.

 

Positive Signale

Etwa 489.200 junge Menschen haben im Jahr 2023 eine Ausbil-dung begonnen. Das sind 3% mehr als noch 2022. Auch wenn die Zahlen damit weiterhin unterhalb des Niveaus von vor der Corona-Pandemie liegen (minus 6,9% beziehungsweise minus 35.900 Ausbildungsverträge im Vergleich zu 2019), zeichnet sich auf dem Arbeitsmarkt insgesamt eine positive Entwicklung ab. So hat das Interesse junger Menschen an einer Ausbildung ebenso zugenommen wie das Angebot an freien Stellen. Allerdings nahmen auch die Schwierigkeiten weiter zu, das Ausbildungsangebot der Betriebe und die Nachfrage der Ju-gendlichen zusammenzuführen. Diese Entwicklungen gehen aus dem Berufsbildungsbericht 2024 hervor, den das Bundeskabi-nett Anfang Mai verabschiedet hat. Der Bericht beschreibt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt und gibt einen Überblick über das abgeschlossene Ausbildungsjahr 2022/2023. Beleuchtet werden dabei sowohl langfristige Trends als auch aktuelle Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt.

 

Nachfrage nach

dualer Berufsausbildung gestiegen

Nach Rückgängen in den Vorjahren ist im Jahr 2023 die Nach-frage der Jugendlich­en nach einer dualen Berufs­ausbildung wieder gestiegen und zwar um 3,2%; um 17.300 auf 552.900 Interessierte. Diese Zahl schließt auch die jungen Menschen mit ein, die zwar bereits eine Alternative gefunden haben, ih-ren Wunsch nach einer Ausbildungsstelle aber weiterhin auf-rechterhalten. Auch das Angebot an Ausbildungsstellen hat 2023 in vergleichbarem Umfang – um 3,4% – zugenommen und liegt bei etwa 562.600; ein Plus von 18.600 Stellen. Damit ü-bertraf das Angebot zum zweiten Mal in Folge die Nachfrage der Jugendlichen.

 

Passungsprobleme

Für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungs-platz hat sich die Marktlage also rein rechnerisch in den let-zten Jahren kontinuierlich verbessert. Für Betriebe und Behör-den hingegen zeigten sich laut Bundesbildungsbericht zuneh-mende Herausforderungen bei der Besetzung von Ausbildungs-stellen.

 

Unbesetzte Ausbildungsstellen

auf neuem Höchststand
Die aktuellen Zahlen zeigen außerdem, dass im Jahr 2023 Be
-triebe und Behörden mit freien Ausbildungsplätzen und noch unversorgte Bewerberinnen und Bewerber schwieriger zuein-ander gefunden haben. Sowohl der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen als auch der Anteil der erfolglos suchenden Jugendlichen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bundesweit blieben 2023 rund 73.400 Ausbildungsstellen unbe-setzt – also rund 13,4% des gesamten betrieblichen Angebots. Ein neuer Höchstwert. Gleichzeitig hatten etwa 63.700 junge Menschen zum Stichtag 30. September noch keinen Ausbil-dungsplatz gefunden und hielten deshalb ihren Vermittlungs-wunsch weiter aufrecht. 11,5% der Jugendlichen blieben somit bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos.
Ob eine Suche erfolgreich verläuft oder ein offener Ausbil
-dungsplatz besetzt werden kann, hängt laut Berufsbildungs-bericht auch mit der Region und der Branche zusammen, in der der Ausbildungsplatz angeboten wird. So seien Stellen in der Kfz-Technik, in der Softwareentwicklung, der Mediengestal-tung, der Raum­ausstat­tung, der Tierpflege und im Büroman-agement besonders beliebt und stark nachgefragt.
Andere Branchen hingegen finden kaum interessierte Bewerber. Dies betrifft vor allem Berufe im Lebensmittelbereich, Hotel- und Gaststättenberufe, Bauberufe und baunahe Berufe sowie Metallberufe. Auch regional finden sich Unterschiede. So haben es Bewerberinnen und Bewerber in Berlin und Brandenburg bei
-spielsweise schwerer als in Bayern oder im Saarland. Umso mehr gilt für Jugendliche mit Interesse an einer Ausbildungs-stelle, möglichst mobil und flexibel zu sein – sowohl mit Blick auf die Region als auch den Wunschberuf.

 

Absolutes No-Go

2,9 Mio. junge Menschen ohne Berufsabschluss

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im Mai seinen Datenreport 2024 veröffentlicht. Er enthält umfassende Infor-mationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland und ergänzt den Berufsbildungsbericht, der nach Billigung durch das Bundeskabinett parallel vom Bundes-ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht wurde.
Aus Anlass der Veröffentlichungen erklärt BIBB-Präsident Fried-rich Hubert Esser: „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich leicht entspannt. Mit Blick auf die zukünftige Fachkräfte-sicherung ist positiv hervorzuheben, dass 2023 die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze erneut und erst-mals seit Jahren auch wieder die Nachfrage der Jugendlichen nach dualer Ausbildung gestiegen ist. Von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Wir müssen weiterhin mehr junge Men-schen für eine attraktive duale Berufsausbildung gewinnen. Auch die Potenziale der Zu-wanderung gilt es besser zu nutzen. Größte Sorge be-reitet mir, dass die Zahl der jungen Menschen unter 35 Jahren ohne Berufsabschluss weiter auf jetzt rund 2,9 Mio. gestiegen ist. Mittlerweile ist fast jeder fünfte in dieser Altersgruppe davon betroffen. Das können wir uns nicht leisten, das ist ein ‚No-Go‘ für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutsch-land. Hier sind zielführende Maßnahmen gefragt. Fachkräfte-rekrutierung und -sicherung bleiben zentrale Aufgaben für die ganze Gesellschaft!“

Wie der BIBB-Datenreport zeigt, ist u.a. der Anteil junger Er-achsener im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss erneut gestiegen. Waren im Jahr 2021 rund 2,64 Mio. Personen (17,8%) betroffen, so stieg diese Zahl im Jahr 2022 auf 2,86 Mio. an (19,1%). Weitergehende Analysen hierzu finden sich unter https://res.bibb.de/vet-repository_782415. Zu beachten ist, dass es sich bei allen Zahlen um Durchschnittswerte für Deutschland insgesamt handelt. Es gibt erhebliche Unterschie-de zwischen Berufen und Regionen.
Der BIBB-Datenreport kann als vorläufige Fassung im PDF-For-mat unter www.bibb.de/datenreport-2024 kostenlos herunter-geladen werden. Die Printversion wird voraussichtlich im Au-gust zur Verfügung stehen. Der Berufsbildungsbericht ist im Internetauftritt des BMBF unter www.bmbf.de/berufsbildungsbericht abrufbar.
(Quelle: BIBB)

 

Alles ist möglich

Der regionale Ausbildungsmarkt

zu Frühlingsbeginn

Diese allgemeine Situation spiegelt auch der regionale Aus-bildungsmarkt wider.

 

Erstklassige Chancen

Bis April 2024 waren im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest insgesamt 3.620 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Dem gegenüber standen 2.301 Bewerber und Bewerberinnen, die sich im Laufe des Berichtsjahres bei den Agenturen für Ar-beit vor Ort gemeldet haben. Rechnerisch kommen damit auf 100 gemeldete betriebliche Berufsausbildungsstellen 64 Bewer-ber/innen. Im April waren noch 964 junge Frauen und Männer auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Gleichzeitig waren noch 2.166 betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt. Somit kamen auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen rund 45 unver-sorgte Bewerber/innen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl von Bewerber/innen um 2,1% gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Ausbildungsstellen um 7,9% gesunken. In den kommenden Monaten bestehen für alle Beteiligten noch gute Chancen.
Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind für junge Men
-schen aktuell so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gleich-zeitig wird es für Unternehmen und Betriebe schwieriger, Aus-bildungsstellen zu besetzen“, resümiert Oliver Schmale, Chef der Arbeitsagentur Meschede-Soest, zu den aktuellen Zahlen.
Zum 1. April 2024 sind Neuregelungen des Gesetzes zur „Stär
-kung der Aus- und Weiterbildungsförderung (AWBG)“ in Kraft getreten. Zentrale Inhalte sind neben der Reform der Weiter-bildungsförderung Beschäftigter und der Einführung eines Qualifizierungsgeldes auch neue Elemente einer Ausbildungsga-rantie. Ihr Ziel ist es, allen jungen Menschen ohne Berufsab-schluss den Zugang zu einer vollqualifizierenden, möglichst betrieblichen Ausbildung zu ermöglichen. „Unsere Experten aus Berufsberatung und Arbeitgeberservice beraten zu den Voraus-setzungen jederzeit gern“, erklärt er weiter.

 

Elemente der neuen Ausbildungsgarantie helfen

Junge Menschen können mit dem „Praktikum zur Berufsorien-tierung“ Inhalte und Tätigkeiten eines Berufs in einem Betrieb kennenlernen. Dabei können Arbeitsagentur und Jobcenter un-terstützen, in dem bspw. Fahrt- und Unterkunftskosten über-nommen werden können. Das Praktikum ist offen für ausbil-dungsinteressierte junge Menschen, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, aktuell keine Schule besuchen und bei der Ar-beitsagentur oder dem Jobcenter gemeldet sind. Dazu unter-stützt der Mobilitätszuschuss junge Menschen, die bereit sind, für eine betriebliche Berufsausbildung umzuziehen. Mit dem Zu-schuss können Auszubildende bis zu zwei Familienheimfahrten pro Monat im ersten Ausbildungsjahr finanziert bekommen. Als drittes Element sind neue Regelungen bei der Einstiegsquali-fizierung in Kraft getreten. Sie kann nun in Teilzeit absolviert werden und die Mindestdauer wird von sechs auf vier Monate verkürzt. So können mehr Jugendliche und Betriebe die Ein-stiegsqualifizierung nutzen.

 

Kreis Soest

1.133 Jugendliche aus dem Kreis Soest haben sich seit Oktober 2023 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Ar-beit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. 480 Ju-gendliche sind davon aktuell noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerbern und Bewerberinnen standen 1.462 gemeldete Be-rufsausbildungsstellen gegenüber, von denen im April noch 946 betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt waren.
(Quelle: BA)

 

Rangliste der Ausbildungsberufe 2023

Im Beruf „Kauffrau für Büromanagement“ haben Frauen in der dualen Berufsausbildung im vergangenen Jahr die meisten neu-en Ausbildungsverträge abgeschlossen. Mit 16.644 (2022: 16.116) neuen Verträgen rückt dieser Beruf nach zwei Jahren auf Platz 2 wieder an die Spitze der „Rangliste 2023 der Aus-bildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse – Frauen“ vor der „Medizinischen Fachangestellten“ mit 16.071 (2022: 16.656) neuen Verträgen. Dahinter folgen die „Zahnmedizini-sche Fachangestellte“, die „Verkäuferin“, die „Industriekauf-frau“ und die „Kauffrau im Einzelhandel“. Insgesamt haben 2023 in diesen sechs Berufen 41,1% der jungen Frauen einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Auf die Top Ten-Berufe der Rangliste entfallen sogar 51,7% aller weiblichen Neuabschlüsse. Dies zeigen Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf der Grundlage der Daten aus der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.2023 in anerkannten dualen Ausbildungsberufen nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO).

Bei den Männern liegt der „Kraftfahrzeugmechatroniker“ weiterhin unangefochten an der Spitze. 21.939 (2022: 20.295) junge Männer haben 2023 einen Ausbildungsvertrag in diesem Beruf neu abge-schlossen. Der Frauenanteil unter den „Kraftfahrzeugme-chatroniker/-innen“ liegt bei 6,6%, dennoch stieg der Beruf in der geschlechterübergrei-fenden Rangliste der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen jetzt auf Platz 1. Zweitstärkster Ausbildungsberuf bei den jun-gen Männern bleibt der „Fachinformatiker“, gefolgt vom „Elek-troniker“ und dem „Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“. Es folgen in der Rangliste bei den jungen Männern nahezu gleichauf wie bisher die Ausbildungsberufe „Industriemechaniker“ und der „Verkäufer“, die aber im Ver-gleich zum Vorjahr die Plätze tauschten. Auf die ersten sechs Berufe entfallen 28,7% aller zum 30.09.2023 neu abgeschlos-senen Ausbildungs-verträge mit Männern.
Weitere Informationen, Tabellen und interaktive Regionalkarten finden Sie im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/ naa309-2023. Die Berufe-Ranglisten nach Neuabschlüssen finden Sie unter www.bibb.de/de/179130 in Tabelle 67 - 2023, Tabelle 68 - 2023 (Männer) und Tabelle 69 - 2023 (Frauen).
(Quelle: BIBB)

 

Zeitgemäß

Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, werden immer wieder Ausbildungsordnungen den gewandelten Erfordernissen ange-passt. Zuletzt die für Feinoptiker/-innen und die der Industrie-kaufleute:

 

 Betriebswirtschaftliche Kompetenz

Industrielle Wertschöpfung ist im modernen Arbeitsalltag ge-prägt durch digitale Vernetzung von Herstellungs- und Steuer-ungsprozessen. Produktions- und Planungssysteme bieten zu-nehmende Flexibilität und ermöglichen neue Geschäftsmodelle auf Basis von Cloud und E-Commerce. Kaufmännische und ge-werblich-technische Tätigkeiten wachsen stärker zusammen. In diesem dynamischen und vielseitigen Umfeld müssen Indus-triekaufleute professionell kaufmännisch-betriebswirtschaftlich handeln und dabei ein umfassendes Prozessverständnis einset-zen. Dazu gehört auch die Nutzung digitaler Medien und der sensible Umgang mit großen Datenmengen unter Berücksichti-gung von Datenschutz und -sicherheit.
Um einen der vertragsstärksten und attraktivsten kaufmänni
-schen Berufe in der Industrie für aktuelle Kompetenzanforde-rungen der Wirtschaft zu wappnen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung gemein-sam mit den zuständigen Bundesministerien sowie den Sozial-partnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis die Ausbildungsordnung zum Industriekaufmann beziehungsweise zur Industriekauffrau modernisiert. Sie tritt am 1. August 2024 in Kraft.
Mit diesem „Update“ wird der Beruf modern und attraktiv ge
-staltet und Bewährtes fortgeführt: Es werden auch künftig Fachkräfte qualifiziert, die Allrounder und zugleich Spezialisten in ihrem Gebiet sind. Dazu gehört eine breite, schnittstellenü-bergreifende und betriebswirtschaftlich fundierte Kernqualifi-kation entlang der industriellen Wertschöpfungskette. Sie um-fasst das Planen und Steuern der Leistungserstellung, der Be-schaffung sowie der Logistik und der Lagerprozesse, das Pla-nen und Umsetzen von Marketingmaßnahmen, das Umsetzen von Vertriebs- und Personalprozessen sowie die Durchführung der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle.
Darauf aufbauend werden gegen Ende der Ausbildung die Kom
-petenzen in einem gewählten spezifischen Einsatzgebiet über einen Zeitraum von sechs Monaten vertieft. Zudem erfordert dieser Beruf spezifische Inhalte in den Bereichen digitale Ge-schäftsprozesse, Kommunikation und Zusammenarbeit, pro-jektorientiertes Arbeiten und internationale Handlungskompe-tenz, die weit über die für alle Ausbildungsberufe geltenden Standardberufsbildpositionen hinausgehen. Umfassend über-arbeitet wurden auch die Prüfungsregelungen. Neben der Ein-führung der gestreckten Abschlussprüfung wurden Prüfungsin-halte und -instrumente anforderungsgerecht aktualisiert.
Der Beruf gehört mit mehr als 40.000 Auszubildenden im Jahr 2022 zu den am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufen. Mit der modernisierten Ausbildungsordnung bietet sich den Industriekaufleuten ein sehr gutes, zukunftsoffenes Sprung
-brett ins Berufsleben und ein vielfältiges Betätigungsfeld in den verschiedenen industriellen Wirtschaftszweigen, Branchen, Betrieben und Einsatzgebieten.

 

 Höchste Präzision
Hochpräzises Arbeiten im Bereich von bis zu millionstel Millime
-tern – diese Genauigkeit ist erforderlich, um den hohen Anfor-derungen an die Qualität feinoptischer Bauteile wie Prismen und Linsen gerecht zu werden. Neben manuellen Tätigkeiten kommt dabei auch dem Einsatz von Maschinen große Bedeu-tung zu. Technologien und Verfahren haben sich beständig weiterentwickelt und zu Anpassungsbedarfen von Ausbildungs-inhalten und Prüfungsanforderungen geführt. So sind zukünftig etwa Arbeitsprozesse und -ergebnisse auf der Grundlage von prozess- und produktbezogenen Daten zu analysieren, aus-zuwerten und zu optimieren. Zudem wird die Gestreckte Ab-schluss- und Gesellenprüfung eingeführt.
Gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien, den Sozial
-partnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) daher im Auf-trag der Bundesregierung die Ausbildungsordnung zum/zur Feinoptiker/-in modernisiert. Sie tritt zum 1. August 2024 in Kraft.
Feinoptiker und Feinoptikerinnen arbeiten in industriellen und handwerklichen Betrieben vor allem in der Herstellung von Mess- und Vergrößerungstechnik sowie in der Halbleiterferti
-gung und Medizintechnik. Auf Grundlage von technischen Zeichnungen stellen Fachkräfte aus Rohteilen sowohl plan- als auch rundoptische Bauteile her, die unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes und der Arbeitssicherheit durch Schlei-fen, Läppen und Polieren bearbeitet werden. Im Hinblick auf das Fügen und die Montage von Bauteilen und Baugruppen zu feinoptischen Systemen wie Mikroskopen, Kameras und Fern-gläsern sind auch Fähigkeiten in der Bearbeitung von Metallen und Kunststoffen erforderlich. Fortlaufendes Prüfen von Pro-dukten und Prozessen sind im Sinne der Qualitätssicherung weitere zentrale Bestandteile der beruflichen Handlungsfähig-keit. Große Bedeutung besitzen zudem Verfahren zur Beschich-tung von Oberflächen.
Bundesweit wurden zuletzt insgesamt gut 350 Fachkräfte aus
-gebildet. Für die Auszubildenden bestehen sehr gute Übernah-mechancen. Im Anschluss an die Ausbildung können sie eine Aufstiegsfortbildung zum/zur Feinoptikermeister/-in oder zum/zur Industriemeister/-in der Fachrichtung Optik absolvie-ren.
(Quelle: BIBB)

 

Hohe Wertschätzung

Zu den Branchen, in denen eine stetig wachsende Nachfrage nach Fachkräften herrscht, zählt seit Jahren der Pflegebereich. Die Arbeit und den Einsatz von Pflegekräften weltweit zu wür-digen und ihre wichtige Rolle im Gesundheitssystem hervorzu-heben, das ist seit den 60er Jahren das Anliegen des „Tages der Pflegenden“. Der Aktionstag wird jährlich am 12. Mai ge-feiert. Das Datum geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale im Jahr 1820 zurück, die als eine Vorreiterin der professionellen Krankenpflege gilt. Im Jahr 2020 hat die WHO den „Tag der Pflegenden“ ganz offi-ziell zum internationalen Aktionstag erklärt.
Anlässlich des „Internationalen Tags der Pflegenden“ erklärte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: „Mehr als 280.000 Pflegekräfte setzen sich tagtäglich in Nordrhein-West-falen für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer ein. Ihre Arbeit ist oft anspruchsvoll und belastend. Mit ihrem En-gagement, ihrer Professionalität, ihrer Fürsorge und ihrem Mit-gefühl leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung der Menschen in Nordrhein-Westfalen. Für die hervorragende Arbeit und ihren Beitrag zum Wohlergehen unserer Gesellschaft spreche ich allen Pflegekräften meine Anerkennung und meinen herzlichen Dank aus“.

Mit fast 1,2 Mio. Men-schen erreicht die Anzahl der Pflegebedürftigen in NRW im Jahr 2021 einen neuen Höchststand. An-gesichts des steigenden Bedarfs an Pflegeleistun-gen betont der Minister: „Die Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung ist ein zentrales Anliegen dieser Landes­regierung. Wir brau-chen jeden, der diesen Beruf ergreifen mag, auf dem Ausbil-dungs- und Arbeitsmarkt, um die Sicherung der Pflege in einer alternden Gesellschaft zu stemmen. Zur Fachkräftesicherung in der Pflege ist auch die Investition in eine qualitativ hochwer-tige Ausbildung unerlässlich.“
Im Laufe des Jahres 2023 haben insgesamt 17.443 Ausbil-dungsinteressierte eine Ausbildung als Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2022 sind die Ausbildungseintritte damit um 10,8% gestiegen. Das er-freuliche Ergebnis zeigt, dass die bislang ergriffenen Maßnah-men der Landesregierung im Bereich der Pflegeausbildung grei-fen.„Wer sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen ent-scheidet, dem eröffnen sich vielfältige Perspektiven. Für die Pflegeausbildung gibt es eine flächendeckende Angebotsstruk-tur von der generalistisch ausgerichteten einjährigen Pflege-fachassistenz über die dreijährige Ausbildung zur Pflegefach-frau bzw. zum Pflegefachmann bis hin zum Pflegestudium. Damit sind sowohl Durchlässigkeit als auch Aufstiegsmöglich-keiten vorhanden. Vor diesem Hintergrund bewerte ich auch die aktuelle Diskussion um Kompetenzerweiterungen von Pfle-gekräften als sehr positiv“, erläutert Laumann.
Ein weiterer wesentlicher Baustein für attraktive Arbeitsbedin-gungen ist eine gute Bezahlung. Nordrhein-Westfalen liegt bei der Zahlung von tarifgerechten Löhnen in der Pflege an der bundesweiten Spitze. Und auch in der Ausbildung wird inzwi-schen eine Vergütung gezahlt, die zu den höchsten Ausbil-dungsvergütungen aller Ausbildungsberufe zählt. Für eine hohe Qualität in der Pflege ist es neben guter Ausbildung auch ent-scheidend, dass Pflegekräfte in die wesentlichen Entscheidun-gen, die sie in ihrem beruflichen Alltag betreffen, eingebunden werden. Diese Möglichkeit hat die Landesregierung über die Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen eröffnet, die seit Ende 2022 unter anderem den Berufsstand in allen rele-vanten Gremien vertritt. Darüber hinaus ist kürzlich unter dem Dach der Fachkräfteoffensive der Landesregierung das „Zu-kunftsbündnis Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitsfachbe-rufe“ entstanden. In dieser konzertierten Aktion aller relevan-ten Akteurinnen und Akteure werden konkrete Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und -gewinnung in den genannten Berufen erarbeitet.

 

Pflegeschulen

Aktive Rolle in der Berufsausbildung

Pflegeschulen haben bei der Durchführung der beruflichen Pfle-geausbildung eine hohe Bedeutung. Von den 902 vom Bundes-institut für Berufsbildung (BIBB) befragten Pflegeschulen gaben fast alle (98,6%) an, dass ihnen durch eine oder mehrere Aus-bildungseinrichtungen wichtige Aufgaben übertragen wurden. Pflegeschulen engagieren sich außerdem über den Fachunter-richt hinaus mit weiteren Angeboten und erhöhen dadurch ihre Attrakti-vität. Dennoch über-steigt das Angebot an Schulplätzen deutlich die Nachfrage. Dies zeigen Ergebnisse der ersten Erhebungswelle 2022/ 2023 im BIBB-Pflegepa-nel. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild von der aktiven Rolle der Pflegeschulen: Besonders häufig werden die Erstel-lung der Ausbildungspläne (85,9 Prozent), die Organisation und Planung der praktischen Ausbildung (82,6%) sowie der für die Ausbildungsbetriebe stellvertretende Abschluss von Koopera-tionsverträgen (73,1%) genannt. Auch im Bewerbungsmanage-ment sind Pflegeschulen tätig, indem sie Auszubildende rekru-tieren und Bewerbungsverfahren durchführen (76,8%) und stellvertretend für Ausbildungseinrichtungen Ausbildungsver-träge abschließen (30,6%). Mehr als zwei Drittel der Schulen führen zudem Schulungen für Praxisanleitende durch (66,9%).
Auch das weitergehende pädagogische Engagement der Pfle
-geschulen ist hoch und geht weit über das Angebot des Fach-unterrichts hinaus. Schulen mit einer Auslastung von über 75% gaben häufiger an, eine Förderung für ausbildungsschwache Lernende anzubieten. Darüber hinaus bieten sie verstärkt vir-tuelle Unterrichtseinheiten, Sprachförderung und Auslands-aufenthalte an. Dadurch steigern sie ihre Reputation und er-reichen eine gute bis volle Auslastung.
Die befragten Pflegeschulen haben ihr Angebot an Schulplät
-zen seit 2020 kontinuierlich und zum Teil deutlich ausgebaut. Im Jahr 2020 waren es 52.453 Schulplätze. Für das Jahr 2022 standen bei den im Pflegepanel befragten Pflegeschulen ins-gesamt 62.480 Schulplätze bundesweit zur Verfügung. Von diesen konnten jedoch in 2022 nur 45.021 Plätze besetzt wer-den, was einer Auslastungsquote von 72% entspricht. Ledig-lich 21% der Schulen gaben für 2022 an, ihre Plätze voll be-setzt zu haben. Während zwischen 2020 und 2021 ein Anstieg an besetzten Schulplätzen zu beobachten ist, setzte sich die-ser Trend 2022 nicht fort.
(Quelle: BIBB)

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